Ab in die Wüste

Am nächsten Morgen ging es Lena nicht besonders und etwas später wurde ihr schwindlig und schwarz vor Augen. Essen mochte sie auch nicht gross. Das heisst dass auch die geplante kleine Wanderung durch die Oase keine Option war. Also blieben sie und Tanja im Hotel während Anouk und Marco mit Omar ins Auto stiegen und zum Beginn der kleinen Tour fuhren. Wegen Tanjas Hüfte hätte diese abgekürzt geschehen sollen, da Tanja aber nicht dabei war, konnten wir wieder einmal quer durchgehen bis zur source secrete des poissons. Mal schauen, Anouk war ob der Voraussicht auf knapp 10km gehen zwar nicht vollumfänglich begeistert, aber immerhin dabei.

Sobald wir in der Oase waren stellten wir fest, dass es angenehm kühl war. Der Schatten der Palmen und zahlreichen anderen Bäume machten die Temperatur sehr erträglich. Die Wege waren auch interessant, manchmal ging man entlang von Feldern auf ausgetretenen Erdpfaden, dann gab es befestige Pfade entlang von kleinen Mauern oder dann musste man kleine Flüsse auf einzelnen Steinen überqueren. Ein sehr abwechslungsreicher Weg der auch noch an alten verlassenen Riads vorbeiführte, zum Beispiel dem alten Judenquartier.

Unterwegs erzählte Omar auf Nachfragen viel von der Familie, vom Leben hier, der Arbeit und so weiter. Er arbeitete seit etwas über 3 Jahren im Hotel, kam aus einem Ort ganz in der Nähe und hatte noch 3 Brüder und 3 Schwestern, die meisten verheiratet. Und erzählte vom Leben hier, wo meist die Frauen die Felder bestellten und die Männer, tja, wohl als Chefs zusahen? So ganz klar wurde das nicht. Auf jeden Fall sahen wir viele Frauen die mit Eseln unterwegs waren, Felder bestellten, Mais pflückten und so weiter.

Wo wir allerdings Männer trafen, das ware beim Dattelpflücken hoch oben auf dem Baum und beim entsprechenden Verarbeiten am Boden. Und wir kriegen eine gute Handvoll davon nachdem Omar nachgefragt hatte. Datteln direkt ab Baumen, super lecker!

Nach knapp 2h kurzweiliger Route waren wir schliesslich am Ziel, dem Teich der heiligen Fische. Und tranken mit Omar Kaffee, Cola während wir nochmals ein paar Datteln genossen.

Dann gings auf den Rückweg. Omar hielt die Hand hoch, fast sofort stoppte ein Auto und nahm uns mit. Der Fahrer war unterwegs und lieferte kleine Kuchen aus. Er fuhr uns zurück zum Auto und wollte nicht einmal Geld dafür.

Nach dem bezahlen im Hotel beluden wir dann unser Auto und fuhren los. Ziel heute: Merzouga, Fahrdauer gut drei Stunden. Mit Zwischenhalt in Erfoud, um in einem herausgesuchten Lokal mit spannendem Interieur Pizzas zu essen.

Dann ging die Fahrt weiter mit mehr und mehr Sand und schliesslich den Dünen am Horizont vor uns.

In Merzouga kamen wir kurz vor der vereinbarten Zeit an. Während wir (und alle anderen die bereits warteten) einen kleinen Rucksack für die eine Übernachtung gepack hatten, kamen die Mädels mit ihrem gesamten Koffer.. was Tanja etwas verägerte. Aber egal.. wir packten alles auf die Ladefläche und fuhren als letzte zum nicht weit entfernten Treffpunkt. Interessanterweise fuhren wir an einigen grösseren Pfützen / Seen vorbei.. auf Nachfrage erfuhren wir, dass es vor kurzem zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder geregnet hatte. Die Überschwemmungen seien unterdessen vorbei, der Grundwasserpegel gestiegen, die kleinen Seen waren aber noch das letzte Zeichen dieses Regens. Interessant, zum ersten Mal seit 10 Jahren!

Da Lena weiterhin nicht fit war und Tanjas Hüfte bekanntlich auch nicht in top Zustand war, hatten sich nur Marco und Anouk für die 1 stündige Kameltour zum Camp (20 EUR) angemeldet. Und wir waren beleibe nicht die einzigen.. gefühlt Dutzende Dromedare standen herum und auf zahlreichen sassen bereits andere für ihren Ritt am frühen Abend zum Camp. Tanja und Lena nahmen unterdessen das Auto.

Wir hatten zu zweit einen eigenen Guide dabei, Mohammed. Und konnten mindestens teilweise den anderen Gruppen ausweisen und gemütlich auf den Wüstenschiffen schaukelnd im gleissenden Spätnachmittagslicht dahintuckern. Ab und zu hielten wir für Fotos, die dann Mohammed von uns schoss. Und so erreichten wir gemütlich nach knapp einer Stunde und einer gemütlichen Reise bei angenehmen Temperaturen das Camp.

Dort war zuerst Tee angesagt, während Tanja und Lena bereits unterwegs für den Sonnenuntergang auf die Dünen waren. Mangels Fitness gingen sie allerdings nicht weit, so dass Anouk und Marco sie bald wieder eingeholt hatten.

Nach einer kurzen Sandboard Abfahrt von Anouk beschlossen Marco und Anouk bis auf die höchste Düne in der Gegend hochzusteigen und das Abendrot dort zu geniessen. Der Fahrer Ibrahim begleitete dabei auch noch die einzigen anderen Gäste, ein Pärchen aus Rom und so standen wir alle ganz oben und genossen die Aussicht.

Wieder zurück im Camp gab es schon bald darauf Nachtessen. Tanja hatte zum Glück nochmals darauf hingewiesen, dass wir Vegis am Tisch hatten (Lena da miteingerechnet), aber am Ende ass Lena nur die Suppe und legte sich dann wieder hin. Wir erhielten eine Grossfamilien-Portion Tagine mit Huhn und Pflaumen, Anouk erhielt ein spezielles Vegi-Menü, mit Käse überbackene Auberginen. Und wir alle fanden es extrem lecker und viel besser als im Camp erwartet. Der Tag hatte zudem durstig gemacht: Wir tranken fast drei 1.5l Flaschen Wasser und vor allem Anouk trank wie ein Kamel (obwohl sie sonst bei Wasser ohne Sprudel eher zurückhaltend ist). Und zum Abschluss erhielten wir als Desserts Früchte mit einer Art Joghurt und Sauce. Ein sehr gelungener Abschluss des Menus.

Dann war Musik und Tanz angesagt. Einige Angestellten vom Camp hatten wir bereits getroffen, insgesamt tauchten aber 8 Personen auf, die für uns 5 (Lena weiterhin im Bett) Musik machten und sangen. Und uns zum Tanz ums Feuer animierten, bevor wir dann selber an den Trommeln Hand anlegen durften resp. mussten.

Nach einer Weile und natürlich war es unterdessen stockdunkel, beschlossen wir noch etwas in die Dünen zu gehen und den grossartigen Nachthimmel zu geniessen. Wir erhielten eine grosse Wolldecke um uns darauf zu legen und schauten fasziniert in den Himmel und zur Milchstrasse. Die Sicht war klar und wir konnten auch einige schönen Sternschnuppen beobachten, wobei vor allem eine unglaublich deutlich und lange war.

Als es langsam sehr spät wurde, gingen Tanja und Anouk zurück während Marco noch ein paar Langzeitbeleuchtungsbilder des Himmels machte. Unterdessen hatte es deutlich abekühlt (es soll etwas über 20 Grad warm gewesen sein), und sogar im Zelt das eigentlich ein Blechkanister mit innerem und äusserem Zeltkleid war, herrschte unterdessen eine angenehme Temperatur. Im Sommer soll das Thermometer hier am Tag auf deutlich über 50 Grad steigen, in der Nacht nie unter 30 Grad fallen. Da war es jetzt doch deutlich angenehmer.

Am Morgen stand Marco um 6.30 auf um das Morgenrot und danach den Sonnenaufgang zu beobachten. Tanja und Anouk kammen kurz vor dem Aufgang auch noch hinzu, allerdings war der Himmel zwischenzeitlich stark bewölkt, so dass der Sonnenuntergang ein eher unspektakuläres Ereignis war. Das wir aber trotzdem genossen, bevor es wieder runter ins Camp ging und dann bald einmal zum Frühstück. Lena bevorzugte weiterhin Ruhe vor Essen und blieb liegen.

Nach dem Frühstück stand dann Quad fahren auf dem Programm. Allerdings wieder nur für Anouk und Marco. Wir bestiegen die Quads, erhielten eine kurze Einführung fuhren dann mit dem jungen Guide los. Zuerst sehr gemächlich, dann mit der Zeit etwas schneller. Wobei so ganz schnell fuhr er nie.. meinte er dürfe das nicht miit Touristen. Egal, Marco liess sich ab und zu etwas zurückfallen und ging dann vor allem mit Vollgas in die Steigungen und Anouk wurde auch zunehmen mutiger, machte wilde Kurven und gab Gas. Insgesamt ein guter Adrenalin-Stoss am Vormittag, den wir beide sehr genossen.

Lena hatte unterdessen einige Lebensgeister wieder gefunden und war fit genug, um am Ende auch noch eine ganz kurze Runde im Flachen zu drehen. Dann mussten wir die Quads wieder zurückgeben.

Als nächstes stand eine etwas längere Fahrt auf dem Programm. Ziel heute: Zagora, das andere Tor in die Wüste. Wobei dort gemäss Guide Ibrahim die Dünen viel kleiner seien (aber Werbung mit Bildern der Merzouga Region gemacht würde). Die Fahrt ging durch endlose Steppen-Landschaften, mal ganz eben, mal steinig, dann wieder sandig, mal mit Bergen, mal ohne. Marco fand die Landschaft interessant und vor allem auch die Strassen. Man musste definitiv aufpassen, dass man die Schlaglöcher gut im Auge hatte.. vor allem wenn wie an ein paar Stellen die komplette Strasse weggeschwemmt oder teil-weggebrochen war. Oder wenn der ganze Aspphalt einigen mitteltiefern Löchern Platz gemacht hatte, nachdem man mit 100km darauf zugerast war. Meist gab es irgendwelche Hinweise auf die Qualität der Strasse (wie zB Schilder die Tempo 30 oder 40 ankündigten), aber nicht immer..

Auf der Fahrt wurden wir auch zum zweiten Mal effektiv durch die Polizei angehalten. Es gibt immer wieder Kontrollen, die mit Temporeduktion beginnen, dann folgt ein Achtung Polizei Schild, dann ein Stopp vor der Polizei. Sobald sie aber gesehen haben, wer im Auto sitzt, hatten sie uns immer durchgewunken. Bis auf Ourzazate wo uns der Polizist freundlich im Land begrüsste und eben heute. Er schaute sich das Auto und die Insassen genau an, kontrollierte wohl die Lichter, fragte ob wir Franzosen seien und wünschte uns dann eine gute Fahrt!

Nach knapp 4 Stunden kamen wir schliesslich in der Region Zagora an. Wir hatten von einer alten Festung in einer Oasenlandschaft gelesen, die wir uns noch anschauen wollten.. und parallel was zu essen besorgen für die hungrigen Mäuler (zu denen unterdessen auch Lena wieder gehörte), aber irgendwie fanden wir nichts, das der Beschreibung entsprochen hätte, dafür freundliche Marokkaner, die uns gegen Geld etwas zeigen wollten. Wir gaben auf und fuhren in die Stadt.. wo es dann zwar Restaurants gab, aber eben nicht in jedem seinem Gusto. Als gaben wir auf und kämpften uns zur Hotel Dar Pienach durch.. trotz Google Maps Angaben fanden wir den Weg beinahe nicht. Wo Google vorschlägt zB rechts zu fahren, gibt’s öfter mal nicht mal einen Weg.. insofern dreht man sich teilweise etwas im Kreis. Wir hatten aber das Glück, im ungefähr dritten Anlauf das Hotelschild am Strassenrand mit Pfeil zu sehen und konnten dann dem folgen. Und kamen schliesslich erfolgreich dort an. Und betraten ein Paradies.

Der definitiv schönste Pool der Reise inmitten eines tropischen Gartens der uns Bali-Vibes gab. Und zwei separate Zimmer (zum ersten Mal auf dieser Reise) direkt oberhalb des Pooles. Wow. Wir wollten nicht mehr weg.. und genossen den Rest des Tages am Pool und auch am Abend das Nachtessen direkt im Hotel. Wobei sich Lena und Anouk als spätes Mittagessen zwei Pizzas liefern liessen und sich Lena zum Znacht gleich nochmals eine Pizza liefern liess.. organisiert durch Mohammed, den Hotel Chef. Während wir anderen Kefta und Gemüse assen. Und eine feine Schokoladencreme zum Abschluss.. und das alles mit der ersten Flasche Wein in Marokko.

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