Unterwegs ans Meer

Auf dem Tagesplan stand die längste Autofahrt der Ferien: Von Zagora durchs Draa Tal bis Agzd, dann weiter via Tazenakht nach Tarudant. Gute 5h Fahrt. 

Das Draa Tal ist ein Oasental das vor allem von Dattelpalmen gesäumt ist. Da gerade Dattelerntezeit ist, hatten wir vor allem auch in Zagora unter den Fliegen etwas gelitten.. die Viecher waren überall. Und im Auto einmal die Türe auf und schon hatte man wieder ein Dutzen drin. Die Fahrt war aber abwechslungsreich, ging durch zahlreiche kleine Ortschaften und meist entlang von grünen Palmen. Ab und zu sass ein Verkäufer mit einem Berg Datten vor sich am Strassenrand. 

Nach Agzd wurde es dann wieder deutlich karger. Der Weg zog sich durch die endlose Marokanische Steinlandschaft, mal mit etwas mehr, mal etwas weniger grün. Wir kamen aber gut voran und erreichten in 5h Tarudant und unser dortiges Hotel, das Hotel les trois paons. Dieses lag am Rande in einer eigenen kleinen, grünen Oase umgeben von hohen Mauern. Der Eigentümer, ein Franzose, hatte es in den letzten drei Jahren aufgebaut. Im Zentrum stand sein eigenes Haus mit privatem Garten und direktem Zugang vom Wohnzimmer zum Pool. Auf seinem Dach befand sich die marokanisch gestaltete Dachterrasse und rundherum war ein grüner Garten mit kleinen verschlungenen Wegen die zu den verschiedenene Unterkünften führten. Und irgendwo tauchten immer wieder Paons auf, Pfaue. Zwei davon mit ihren kleinen Baby-Pfaus. 

Nach der Ankunft und dem üblichen Tee liessen es sich Anouk und Marco nicht nehmen, einen kurzen Schwumm im Pool zu nehmen, obwohl es etwas bewölkt und damit für bisherige Verhältnisse eher frisch war. Dann gings bald mit dem Auto in die Stadt, Marco hatte ein Restaurant rausgesucht, dass allen Bedürfnissen gerecht werden sollte. 

Bevor es aber dahin ging, parkierten wir und machten uns zu Fuss auf Richtung Altstadt. Ein Marokaner sprach uns bald darauf an und freute sich, seine Deutsch Kenntnisse gebrauchen zu können. Er wolle kein Geld, würde uns aber gerne seine Stadt zeigen. Und hartnäckig blieb er an unserer Seite und führte uns durch die Gassen und zeigte uns die verschiedenen Märkte sowie die Medina. Und führte uns auch in zwei, drei Geschäfte, wo wir in einem sogar was kauften. Wir vermuteten, dass er sich später einen kleinen Anteil abholen würde. 

Als wir alles gesehen hatten, verabschiedeten wir uns und nahmen eine Kutsche um ins Restaurant zu fahren. Dort genossen wir inmiten von Einheimischen ein leckeres Essen bevor es dann mit der Kutsche wieder zum Auto ging.

Den Parkwächter hatten wir völlig übersehen, als wir davonfuhren, drehten aber nochmals um, um ihm eine Gebühr zu bezahlen. Er wohnte wohl in einem einfachen Zelt direkt auf dem Platz und schien nicht gerade im Wohlstand zu schwimmen. Anouk hätte nicht mehr schlafen können, wären wir nicht umgekehrt. Sie nimmt solche Bilder und Situationen immer sehr mit. Bei Lena sind es die wilden Hunde und Katzen, bei Anouk die Leute. 

Beim Frühstück waren wir alleine mit einer Familie aus Holziken, wie sich in einem kurzen Gespräch herausstellte. Diese hatten dasselbe Tagesziel: Taghazout. Nur nochmals gut 1.5h. Allerdings steuerten wir den Badeort Agadir zuerst an, da dieser auf dem Weg lag. Und wandelten auf der grossen aber eher leeren Strandpromenade bevor es zum Mittagessen ging. Agadir wirkte wie ein x-beliebieger Ferienort, vom «echten» Marokko war da nicht mehr viel zu sehen. 

Von Agadir war es dann nur noch halbe Stunde bis wir Taghazout erreicht haben. Und das war dann definitiv eine andere Welt. Naiverweise dachten wir, dass wir mit dem Auto direkt zum Hotel (Google Maps sei dank) fahren können.. landeten aber in so kleinen und engen Gassen und auch in einer Sackgasse, so dass wir umkehren mussten und dann das Auto an der belebten Strasse parkierten, und das The Horizon Hotel zu Fuss suchten. Es war näher an der Hauptstrasse als gedacht, hatte aber definitiv keine Parkplätze. Und auch wenn wir vorgängig darüber sinniert hatten, ob die Beschreibung nun bestätigt, dass die beiden Zimmer ein eigenes WC/Bad hatten, so war vor allem Anouk ziemlich schockiert, dass dem dann eben nicht so war. Wir hatten zwei sehr einfach Zimmer nebeneinander und vor den Türen je ein WC und Bad, das nur für uns zur Nutzung war. Sie fand das nicht lustig.

Aber da Taghazout ein kleiner Surfer Ort ist, waren «schöne» Hoteloptionen mangelware.. wir konnten beim Buchen nichts finden, dass dem Standard der letzten Nächte auch nur annähernd nahe gekommen wäre. Dafür waren wir 1 Min vom Strand entfernt und mitten im chaotischen aber spannenden Leben von Taghazout. 

Wir hatten 2 Nächte gebucht, die Zeit verging rasch. Die Abende verbrachten wir in kleinen Restaurants am Strand und genossen den phantastischen Sonnenuntergang. Am Tag war es lange sehr bewölkt, so dass wir uns etwas treiben liessen, was auch Marco zu Gute kam, der sich von den vielen Klimaanlagen etwas erkältet fühlte. Etwas nach 14h lösten sich die Wolken dann aber auf und wir verbrachten noch einige Zeit am grossen Strand mit viel Wind und zahlreichen Surfern. Mit der Konsequenz dass wir uns alle wie Schnitzel fühlten (wie sich Lena ausdrückte).. einmal von oben bis unten paniert. Aber die Dusche danach half mit, dass der grösste Teil wieder runtergespült wurde. 

Am Strand gab es auch einige Händler, die Schmuck und anderes verkauften, was die Frauen auch rege genutzt haben. Und am Mittwoch Abend beim Essen schaute uns ein 14-jähriger Marokkaner fasziniert beim «Shit-Head» Karten spielen zu.. und liess es sich dann nicht nehmen, sich zu uns zu setzen und mit uns mitzuspielen. Dann liess er für eine Weile «Business, Business» sein und genoss das Spiel. Bevor er dann seine Sachen minus ein Uno-Spiel das wir ihm für 40 MAD (ca 3.50 CHF) abgekauft haben wieder zu packen uns neue Käufer dafür zu finden. Ein lustiger Kerl war das. 

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